19 Besucher online
 
unabhängig - kritisch - jung
 

Allgemein
Charts
Kurzfilm
Filmschule
Filmförderung
Gewinnspiele
Produktionsnews
Produktions-Tipps
Fernsehen
Filmfestival
Filmpreise
Neu im Kino
Interview
TV-Tipp
Leute
DVD
DVD-Tipp

Kleinanzeigen

Teilen
Home | Neu im Kino

San Francisco an meinem Geburtstag

HOT!
Friendship!

Donnerstag - 21. Januar 2010 - 11:57

Häufig ist es ein gutes Zeichen, wenn alles ganz einfach aussieht: eine sehr überschaubare Konstellation, ein klares Ziel – und jede Menge Loyalität. “Friendship” wirkt bestechend schnörkellos. Zwei junge Männer, gerade der Ex-DDR entronnen, VEIT (Friedrich Mücke) und TOM (Matthias Schweighöfer), machen sich in die USA auf. Man kann im Verlauf der Exposition sehr gut erkennen, wie sich die Innenspannung sprunghaft erhöht, sobald wir erfahren, dass Veit nicht einfach nur den westlichsten Punkt erreichen will, sondern auch hofft, in San Francisco auf seinen einst geflohenen Vater zu treffen.


Der Trailer zu FRIENDSHIP:



Ab dem Moment, wo das klar, also eine soziale Komponente im Spiel ist, entsteht genügend Sog, um die Hinbewegung der zwei Jungs zu motivieren. Von da an funktioniert der Film als Nummern-Revue mit unterschiedlich spaßigen, aber auch melancholischen Einlagen. Äußerst wirkungsvoll ist – wie so oft – der Culture Clash, also der Zwang der beiden Jungs, sich sozial neu zu orientieren.

Da sie beständig in Geldnot sind, ist Geben und Nehmen angesagt. Sie müssen was zu bieten haben. Das ist meistens entweder nicht sehr viel oder nicht das richtige, aber die Versuche, Anschluss in eine fremde und undurchschaubare Welt zu finden, halten den Film unter Strom. Dazwischen erlebt man sehr schön, wie das konsequent loyale Zusammenhalten der beiden Hauptfiguren die Anziehungskraft immer mehr erhöht: Veit kann nicht mehr ohne Tom gedacht werden und umgekehrt.

Dramaturgisch ist es schön konstruiert, dass in dem Moment, wo das größte Problem – das Geld – erstmal aus dem Weg geräumt bzw. genügend verdient worden ist, gleich das nächste und viel größere auftritt: nämlich die Eifersucht, also die Rivalität um die Gunst der hübschen Deutsch-Amerikanerin ZOEY (Alicja Bachleda-Curus). An diesem Punkt wird die Loyalität der Freunde auf eine Zerreissprobe gestellt, und erstmals bricht so etwas wie ein Verrat auf. Tom küsst Zoey, und Veit nimmt sich daraufhin den gemeinsamen Wagen und braust allein davon. Es ist der erste Punkt, wo eine eindeutige Parteinahme nicht mehr ganz leicht ist: hat Veit recht mit seinem beleidigten Alleingang? Oder nimmt er sich nicht ein wenig zu wichtig? Wird sein monomanisches Ziel “San Francisco an meinem Geburtstag” nicht egoistisch und anmaßend? Schwer zu sagen; aber an diesem Teil ist ein echter, spürbarer Tiefpunkt erreicht, denn inzwischen ist der Publikumswunsch ganz klar darauf geeicht, Veit und Tom wieder als Paar vereint sehen zu wollen. Indem sie das nicht sind, entsteht ein echter Sog zurück in die Gemeinschaft.

Insofern ist es nur folgerichtig und konsequent, zwischen Tom und Zoey keine große Liebesromanze aufzublähen, sondern eine stille, aber ergreifende Trennung zwischen den beiden zu inszenieren. Alle sind ja noch viel zu jung und haben zu viel vor, um sich zu binden. Tom hat bei dem Mädchen in diesem Augenblick nichts verloren, er muss wieder zurück zu Veit. Und so geschieht es.

Was dann kommt, kann man auch als eine Form von ausgleichender Gerechtigkeit verstehen – vorausgesetzt, man hat Veits Alleingang als anmaßend erlebt. Denn Veit trifft in San Francisco nicht auf seinen Vater, sondern muss eine viel härtere Wahrheit hinnehmen, die ihn emotional stark fordert. Es ist leicht, hier empathisch einzusteigen und mit Veit zu fühlen. Allerdings wäre es hilfreich gewesen, wenn man zuvor noch mehr über den Vater und die Beziehung zum Sohn erfahren hätte – hier bleibt das Drehbuch doch mit Ausnahme einer einzigen Szene sehr vage.

Dennoch geht die Rechnung auf. Sogar so etwas wie sozialen Zuwachs kann man in der allerletzten Szene des Films erahnen. Insofern bleibt “Friendship” sehr schlicht; aber verlässt eben nie die sicheren Bahnen der echten zwischenmenschlichen Loyalität und des Publikumsvertrags.

Auf diesem Fundament lassen sich dann die doch teilweise recht opulenten Qualitäten der Regie gut aufbauen. Zwischen der simplen Story und den teilweise aufwändig inszenierten Szenen mag eine Lücke klaffen. Aber man wird dem Film nicht absprechen können, dass er genau das erreicht, was er will: eine unterhaltsame, aber auch an keinem Punkt platte Annäherung ans Thema “Jung-Sein”. Die ist sicher gelungen.

MARKTPROGNOSEN

Anders als bei “13 Semester” kann man sich eine Akzeptanz beim jungen Zielpublikum sehr gut vorstellen. Die Machart ist hipp, die Darsteller haben sehr viel Charme, die Musik stimmt. Die äußeren Faktoren sind günstig, und die tiefe Verbundenheit der beiden Hauptfiguren hilft dem Film, sein Publikum wirklich zufrieden zu stellen. Insofern kann “Friendship” sehr weit kommen. Dafür, dass es doch eher ein kleiner (wenn auch vermutlich recht teurer) Film ist, sind Werte bis zu einer Million gut denkbar. Und weil sich in solchen Fällen dann oft noch eine Art “Must See”-Effekt einstellt, kann es sogar noch drüber hinaus gehen.

Roland Zag


FRIENDSHIP!
Deutschland 2009
Laufzeit: 110 Minuten

Regie: Markus Goller
Drehbuch: Oliver Ziegenbalg
Produktion: Quirin Berg, Thomas Zickler, Max Wiedemann
Darsteller: Matthias Schweighöfer, Friedrich Mücke, Alicja Bachleda Curus, Peter Macon, Todd Stashwick, Chris Browning, Kimberly J. Brown
Kamera: Ueli Steiger
Schnitt: Olivia Retzer

Anmerkung zu dieser Besprechung:

"Der Publikumsvertrag. Emotionales Drehbuchschreiben mit 'the human factor'" von Roland Zag - Erscheinungsdatum: September 2005, sowie auf der Website the-human-factor.de
Im Zentrum des Interesses steht die Analyse der zwischenmenschlichen Verhältnisse - Es handelt sich bei unseren Besprechungen NICHT um Filmkritiken.


Link: Offizielle Website
Link: Roland Zag: Der Publikumsvertrag
Link: Critic.de: Friendship!

Hits: 2038

» Druckversion zeigen

Weitere News zu diesem Thema:
» Fallhöhe der Story ist gering
» Leichter Beigeschmack
» Gedanken implantieren funktioniert
» Emotional reich orchestrierte Annäherung
» Traum im Traum im Traum?
» An emotionaler Dichte kaum zu überbieten
» Starkes Alleinstellungsmerkmal
» Unbequeme Botschaft
» Überfülle an existenziellen Themen
» Die Sogkraft der verschollenen Frau







Weitere Meldungen:

» Die EFA-Auswahl 2010- 09.09.2010
» Drehbuchpreis Kindertiger 2010- 08.09.2010
» Bollywood setzt auf Cyberat...- 06.09.2010
» BR stärkt Filmstandort Bayern- 06.09.2010
» Verleih und Medialeistungen...- 06.09.2010
» Frische Filmkopien für 20 F...- 01.09.2010
» Neun Mal Besonders Wertvoll- 01.09.2010
» Von Frankreich bis Taiwan- 31.08.2010
» Isabella for President- 30.08.2010
» Fallhöhe der Story ist gering- 29.08.2010
» Zuschüsse und zinslose Darl...- 27.08.2010
» Viel frisches Geld aus Leipzig- 26.08.2010
» Dem Nachwuchs verpflichtet- 25.08.2010
» Rekordumsatz trotz Besucher...- 23.08.2010
» Spur der Geschichte der E-G...- 23.08.2010
» Rauchen in Filmen ist out- 21.08.2010
» Liebe, Stadt und Leidenschaft- 19.08.2010
» Leichter Beigeschmack- 19.08.2010
» Filmfest Oldenburg lüftet G...- 17.08.2010
» Datenmengen wachsen bei 3D- 17.08.2010
» FFF-Bayern prescht vor- 17.08.2010
» Gedanken implantieren funkt...- 16.08.2010
» Die Leoparden sind vergeben- 16.08.2010
» Emotional reich orchestrier...- 15.08.2010
» Miese Auflösung bei guten F...- 13.08.2010
» Hatto verlängert- 12.08.2010
» Verbotene Filme- 12.08.2010
» Kino für Alle- 12.08.2010
» 4 x BW + 2 x W- 12.08.2010
» Aufruf zum Filmfestival in ...- 11.08.2010
» Viele deutsche Filme in Canada- 11.08.2010
» Alles Stereo-3D- 11.08.2010
» Frankfurt/Main ruft- 10.08.2010
» Neuer Schirmherr für Vision...- 09.08.2010
» Traum im Traum im Traum?- 08.08.2010
 
 

© filmzeitung.de 1999 - 2010 | Impressum