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Dienstag - 04. Juni 2013 - 22:11
Die Feststellung, dass filmisches Erzählen mit einer Außen, aber auch einer Innenwelt zu tun hat, wird durch “Der große Gatsby” zu einem neuen Extrem getrieben. Denn der Effekt der Oberflächenreize, der in den Party-Szenen aufgefahren wird, ist kaum zu überbieten. Ganz augenscheinlich wird hier im wahrsten Sinne des Wortes eine Art Dauer-Feuerwerk der Effekte abgebrannt. Und dennoch sind es vor allem die intimen Innenwelten der Figuren, die am Ende haften bleiben (und deretwegen die Romanvorlage von F.Scott Fitzgerald zur Weltliteratur avancierte). Im Brennpunkt steht dabei natürlich die titelgebende Figur des GATSBY (Leonardo di Caprio): eines Tycoons, der entfernt an “Citizen Kane” von Orson Welles erinnert. ... mehr
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Montag - 20. Mai 2013 - 15:18
Die vermutlich zentrale Qualität, die schon die Fernsehserie “Star Trek” zu einem der erfolgreichsten SciFi-Unterfangen in der Geschichte der Unterhaltungsindustrie machte, lag wohl von Beginn an in der Figur des Dr. SPOCK (Hachary Quinto): er ist als Vulkanier nur zur rein logischen Deduktion, aber nicht zur emotionalen Bewertung seines Handelns fähig. Damit geht ihm gewissermaßen der ‘human factor’ ab. Interessanter Weise wird er so zur charakteristischsten, komischsten, und auch bedauernswertesten Figur. Durch seine radikale Logik, Prinzipientreue und Geradlinigkeit fällt er nicht selten die besten Entscheidungen – er ist also einerseits der Held. Andererseits kann er einem auch leid tun: weil er die von Emotion und Intuition geleiteten Motivationen und Beweggründe emotional reagierender Wesen wie etwas von Captain KIRK (Chris Pine) und seiner Crew, darunter Spocks Geliebte UHURA (Zoe Saldana), nicht verstehen kann. ... mehr
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Montag - 20. Mai 2013 - 14:44
Wie “Side Effects” läuft auch “Passion” auf einen Akt großangelegter Manipulation hinaus: genau so, wie man lange Zeit glaubt, dass die Dinge stehen, sind sie am Ende nicht… Ein solches Erzählen ist sehr oft, aber nicht immer, mit einer starken Überlast der rationalen Ebene verbunden. Man braucht erzählerisch sehr viel logisches Geschick, um Zusammenhänge so zu verrätseln, dass sie sich am Ende anders darstellen, als sie lange Zeit schienen… (Eine Ausnahme bildet dabei das wohl berühmteste Beispiel für derartiges Erzählen: Hitchcocks “Vertigo” ist deshalb so berühmt geworden, weil trotz der massiven rationalen Betonung des Plots für die intensive Liebesbeziehung der Hauptfigur noch immer viel Platz blieb…) ... mehr
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Montag - 20. Mai 2013 - 13:34
Lange Zeit spielt „Side Effects“ auf der Klaviatur der sozialen Relevanz, die auch schon in Soderberghs „Traffic“ oder „Contagion“ eine große Rolle gespielt hatten. Im Mittelpunkt stehen die Chemie, mit der die heutige Pharma-Industrie zwar einerseits der grassierenden Plage „Depression“ zu Leibe rückt, aber andererseits eben auch massive Nebenwirkungen in Kauf nimmt, was zu entsetzlichen Folgen führen kann. Diese Thematik beschäftigt und beunruhigt die Öffentlichkeit, und entsprechend darf der Film zunächst eine Menge Aufmerksamkeit für sich in Anspruch nehmen. ... mehr
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Dienstag - 14. Mai 2013 - 16:48
Lange Zeit ist “Broken Circle” ein Musterbeispiel fürs Erzählen glaubhafter Liebesbeziehungen. Wenn sich DIDIER (Johan Heldenbergh) und ELISE (Veerle Baetens) begegnen, wird das verbindende Element, also die Austauschebene, sofort gut erkennbar. Es ist die Musik, und die damit transportierte Lebensphilosophie, die beide Partner vereint. Von Seiten Elises kommt mit ihren Tattoos ebenfalls eine starke Bindung, auch wenn sich Didier dieser Art von Fetischismus erst mal verweigert. Einmal mehr zeigt sich, wie sehr ideelle Bindungen helfen, um uns emotional mit Figuren zu verbinden. ... mehr
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Dienstag - 16. April 2013 - 19:52
Die Grundvoraussetzung für attraktives Erzählen wird zunächst erfüllt: als der Ex-Terrorist JENS (Sebastian Koch) entlassen wird, erscheint er nach 18 Jahren Haft wie ein Fossil, ein Mensch aus einer anderen Zeit und Welt. Zumal sich in seiner inneren Einstellung nicht allzu viel geändert zu haben scheint. Er glaubt immer noch an den bewaffneten Kampf als Mittel zu Veränderung (Verbesserung) der Welt. Damit steht er im schneidenden Kontrast zu den Menschen, auf die er im Wochenendhaus seiner Schwester TINA (Barbara Auer) trifft. Der culture clash zwischen einem linken Aktivisten und einer Gesellschaft, die sich mehr Sorgen um Schinken und Trüffel macht, ist kaum zu überbieten. ... mehr
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Donnerstag - 04. April 2013 - 15:14
Eine der zentralen Voraussetzungen für starkes, wirkungsvolles Kino ist die klare HALTUNG der Protagonisten. Je eindeutiger sich die Wertewelt der Figuren erschließt, desto besser fürs Publikum. Diesbezüglich hat “Paradies: Glaube” sehr gute Karten. MARIA (Maria Hofstätter) ist an radikaler christlich-katholischer Überzeugung kaum zu überbieten. Darin streift sie mitunter schon die Grenze zur Parodie. Die Haltung der Protagonistin ist also klar. Der missionarische Eifer zeigt sich in mehreren quasi dokumentarisch gedrehten Begegnungen mit Menschen, die sie mit unterschiedlichen Erfolgen zu bekehren versucht. In diesen Szenen liegt viel (auch komisches) Potenzial – wirklich handlungsrelevant, also weiter führend sind sie aber nicht. ... mehr
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Dienstag - 26. März 2013 - 15:08
Die emotionale Qualität eines Films hängt im Wesentlichen von zwei Faktoren ab: der Intensität der Beziehung und der Klarheit des Konfliktfelds. In beiden Kategorien erreicht “Ostwind” Erstaunliches – und schafft so beste Voraussetzungen, um im Genre “Kinder-und Jugendfilm” Maßstäbe zu setzen. Was die zentrale Beziehung angeht, so besteht sie in erster Linie zwischen MIKA (Hanna Höppner) und dem Pferd OSTWIND. Diese Beziehung wird umstandslos gesetzt und nie in Frage gestellt: nach der ersten Nacht, die das Mädchen bei dem Tier im Stall verbringt, ist klar, dass es sich hier um eine besonders intensive, geradezu traumwandlerische Form von Nähe und Gemeinschaft handelt. ... mehr
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Sonntag - 24. März 2013 - 18:33
Im Falle eines Films, der so offensichtlich nicht ernst gemeint ist, mag es humorlos wirken, wenn er trotzdem ernst betrachtet wird. “Haialarm am Müggelsee” ist unübersehbar eine Blödelei, ein anarchisch-durchgeknallte, sinnfreie Spielerei mit dem Unerwarteten und dadurch Absurden. Dennoch darf man sich aus dramaturgischer Sicht die Frage stellen, WARUM es eigentlich hier durchgehend gelingt, Erwartungen aufzubauen, die dann zuverlässig gebrochen werden. Denn um Erwartungen zu erzeugen, braucht es doch logische Ursache-Wirkungs-Mechanismen. Und wenn man genau hinschaut, liegen diese hier auch vor. Sogar in einer recht methodischen, theoretisch durchstrukturierten Klarheit, die bei einem solch scheinbar spontanen Unterfangen überrascht. ... mehr
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Dienstag - 12. März 2013 - 17:15
Das Verbrechen an Natascha Kampusch hielt und hält die Welt in Atem. Dabei stehen dreierlei Aspekte im Vordergrund: 1. die Empathie mit dem Opfer. Es scheint schier unglaublich, wie man als kleines Mädchen bzw. junge Frau über Jahre hinweg die Kraft der Selbstbehauptung erhalten und nicht an Leib und Seele vernichtet werden kann. - 2. die Psychologie des Täters. Die Mischung aus Sadismus und Bedürftigkeit, aus psychischer Störung und methodischer Genauigkeit des Wolfgang Prokupil weckt natürlich unser Interesse. - 3. die Qualität der Beziehung. In die Frage, wie sich die Täter-Opfer-Beziehung über die Jahre entwickelt, verschoben und gewandelt haben mag, fliesst natürlich deshalb am meisten Spekulation ein, weil sich Frau Kampusch bis heute aus guten Gründen weigert, über die Natur der sexuellen Beziehung Auskunft zu geben. ... mehr
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