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Fallhöhe der Story ist gering
Neu im Kino

Sonntag - 29. August 2010 - 19:38
In einem Film, wo der Hauptdarsteller sich das Leben zu nehmen versucht, mag die Behauptung, dass es um nicht viel geht, erstaunen. In “Das Leben ist zu lang” ist das trotzdem so: hier begeht ALFIE (Markus Hering) am Höhepunkt der Handlung einen Selbstmordversuch. Und doch ist die Fallhöhe der Story gering. Warum? Der Vergleich mit “Fellinis Achteinhalb”, einem ähnlich ums Filmgeschäft kreisenden Klassiker, liegt nahe. Auch dort gab es einen zwischen Hybris und Selbstmitleid schwankenden Filmregisseur. Doch Guido Anselmis Problem in “Fellinis Achteinhalb” hängt mit der sozialen Relevanz zusammen. ... mehr

Leichter Beigeschmack
Neu im Kino

Donnerstag - 19. August 2010 - 17:08
Das Krimi-Genre ist in Deutschland durch das Fernsehen zu einer Hochblüte gediehen. Die besten Leute der Branche sorgen dafür, dass ein hervorragender Standard gehalten wird. Allerdings folgt dieser Standard relativ vorhersehbaren Mustern mit klaren Regeln und klaren Verboten. Ein Kinofilm im Krimigenre muss es schaffen, gegen diese schwere Konkurrenz weitgehend andere, alternative Angebote zu machen. “Das letzte Schweigen” geht in dieser Richtung schon recht weit. Zum Beispiel leistet sich das Drehbuch einen offenen Schluss, bei dem der Täter nicht gefasst wird, wodurch die Wunscherfüllung des Zuschauers nicht eintritt (was im Fernsehen schwer vorstellbar ist). ... mehr

Gedanken implantieren funktioniert
Neu im Kino

Montag - 16. August 2010 - 17:22
Die Handlung des Films INCEPTION ist nicht so abgefahren, wie auf den ersten Blick scheinen mag. Die Idee der Gedankenmanipulation, die die Kinobesucher außer den Spezialeffekten und imaginären Landschaften in Bann zieht, ist in der Psychologie bekannt und untersucht. Ideen können tatsächlich in die Köpfe von Menschen eingepflanzt und in das Gedächtnis einer Person einverleibt werden. Was im Film überspitzt dargestellt wird, kommt sogar im Alltag vor. "Oft glauben wir, Ereignisse hätten stattgefunden, ohne dass es eine historische Grundlage gibt", erklärt Johann Lehrner vom Berufsverband der österreichischen Psychologen. ... mehr

Emotional reich orchestrierte Annäherung
Neu im Kino

Sonntag - 15. August 2010 - 16:56
Das Thema “Zugehörigkeit” kann emotional eigentlich kaum noch wirksamer und berührender behandelt werden. DANIEL (Pablo Pineda) leidet unter dem Down Syndrom. Doch als Mann mit Hochschulabschluss wünscht er sich nichts mehr, als “normal” zu sein. Er will dazugehören. Zu den nicht Behinderten. Das bedeutet für ihn: als Sexualpartner für attraktive Frauen in Frage kommen. Mit Frauen seines Schlages kann oder will er sich nicht abgeben. So sitzt Daniel zwischen den Stühlen: für ein Leben mit Behinderten ist er zu gebildet und zu kompetent. Für “normale” Menschen ist er einfach einer, den man ausgrenzt und übergeht. Die Einsamkeit, die daraus resultiert, überträgt sich mit erschreckender Eindringlichkeit. ... mehr

Traum im Traum im Traum?
Neu im Kino

Sonntag - 08. August 2010 - 14:51
Man kann hier die drei zentralen Wirkungsebenen der Filmwahrnehmung in seltener Klarheit trennen: Da ist die RATIONALE Ebene. Sie wird hier so atemberaubend komplex bespielt, dass man als Zuschauer früher oder später die Orientierung verliert. Sind wir im Traum, der Realität, dem Traum im Traum, oder gar auf der dritten Ebene, also dem Traum im Traum im Traum? Man kann versuchen, den unübersichtlichen Regeln zu folgen – oder aussteigen. Immerhin ist die verschachtelte Erzählstruktur dazu angetan, den Film zwei – oder dreimal anzuschauen, was seinem Markterfolg zugute kommt. ... mehr

An emotionaler Dichte kaum zu überbieten
Neu im Kino

Samstag - 07. August 2010 - 19:00
Das Drehbuch weist eine beträchtliche Komplexität auf. Viele kleine Details wären vielleicht nicht nötig gewesen – aber sie werden weitestgehend zu Ende erzählt, was eine erhebliche Leistung darstellt. Was die schiere Kunst der Behandlung von Haupt-und Nebensträngen und Verästelungen angeht, ist die Vorlage für “Das Konzert” auf höchstem Niveau angesiedelt. ... mehr

Starkes Alleinstellungsmerkmal
Neu im Kino

Dienstag - 03. August 2010 - 17:43
Der Umgang mit Behinderten ist ein Tabuthema, das man im Kino gerne ausspart – indem man es entweder ausblendet oder bagatellisiert. “Renn wenn du kannst” packt es frontal an- und das liefert ein starkes Alleinstellungsmerkmal. BEN (Robert Gwisdek) will sich mit seiner Rolle als Rollstuhlfahrer nicht abfinden. Er ist bitter geworden, gallig, despotisch. Gerade um heikle Themen wie z.B. “Sex zwischen einem behinderten Mann und einer nicht behinderten Frau” macht der Film keinen Bogen. Die Szene, in der Ben mit der Cellistin ANNIKA (Anna Brüggemann) schlafen will und es nicht schafft, gehört sicherlich zu den stärksten und ehrlichsten des Films. ... mehr

Unbequeme Botschaft
Neu im Kino

Mittwoch - 28. Juli 2010 - 17:50
Die Grundkonstellation ist tragfähig. TOMMASO (Riccardo Sarmacio) kann es nicht wagen, sich gegenüber seinem Vater als Schwuler zu offenbaren, weil dieser schon beim Outing seines anderen Sohnes einen Herzanfall bekommen hat. Es gibt also gute Gründe für Tommaso, sich zumindest zeitweise in eine falsche Existenz zu flüchten. Das grundsätzliche Dilemma ist plastisch und auch komisch. Wann immer die Protagonisten zwischen klar unterschiedenen alternativen Zugehörigkeiten wählen müssen, sind die Voraussetzungen gut. Und die soziale Relevanz wird deutlich spürbar: denn immerhin hat der Protagonist die Verantwortung für ein ganzes Unternehmen. ... mehr

Überfülle an existenziellen Themen
Neu im Kino

Freitag - 16. Juli 2010 - 15:05
Selten steht der Eindruck der Literaturverfilmung so im Vordergrund wie hier. Die enorme Bandbreite an angerissenen Themen deutet darauf hin, dass es sich um einen Film handelt, der das Kondensat aus einem episch angelegten Werk darstellt. Dies lässt sich schon an der zweigleisigen Erzählstruktur ablesen, die auf der Gegenwartsebene lange Zeit nicht viel Neues bietet, auf der Ebene der Rückblenden aber ein ganzes Arsenal von gewichtigen Problemen aufwirft. Jedes für sich könnte schon abendfüllend sein. ... mehr

Die Sogkraft der verschollenen Frau
Neu im Kino

Montag - 21. Juni 2010 - 11:32
Die grundsätzliche Prämisse ist sehr einfach: FRANZ (Clemens Schick) und DAVID (Peter Weiß) lernen sich kennen, weil sie von derselben Frau, MARIA (Anne Schäfer) verlassen wurden. Gemeinsam begeben sie sich auf die Suche. Der zurückhaltende, schüchterne und biedere David war wohl über längere Zeit ihr fester Freund, der ziellos in den Tag hinein lebende Franz ist ihre derzeitige Affaire. In dieser schlichten Vorgabe steckt viel Potenzial. ... mehr

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