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Robert Altman’s Last Radio ShowKritik von Rochus Wolff / critic.de |
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Samstag - 12. Mai 2007 - 16:02
Der letzte Film des 2006 verstorbenen großen Regisseurs Robert Altman besingt die Schönheit des Erzählens am Beispiel eines nur scheinbar untergehenden Mediums. Robert Altman’s Last Radio Show Es fällt zuweilen schwer, Robert Altmans letzten Film nicht als altersmildes Werk eines Regisseurs zu sehen, der seinen baldigen Tod schon kommen sah: Nach dem Tod eines älteren Mannes sagt der wieder und wieder durch die Handlung streichende Engel zu der Frau, die den Leichnam findet: „There is no tragedy in the death of an old man. Forgive him his shortcomings, and thank him for all his love and care.“
Aber auch wenn sich in Robert Altmans A Prairie Home Companion alles um Ende, Abschied und Sterben zu drehen scheint, tut man dem Film doch unrecht, wenn man ihn nur als Abschiedskonzert eines großen Regisseurs verstehen will. Zwar lässt der deutsche Verleihtitel Robert Altman’s Last Radio Show die Grenzen zwischen dem Regisseur und seinem Film so ineinander verschwimmen, dass nicht mehr klar wird, ob der Film von einer letzten Radiosendung handelt oder der Titel die letzte Radiosendung des Regisseurs meint – aber dieses Problem ist eines, dass erst dadurch entsteht, dass Robert Altman inzwischen, am 20. November 2006, verstorben ist, und in Deutschland auch die eigentlich titelgebende Radiosendung „A Prairie Home Companion“ völlig unbekannt ist.
„A Prairie Home Companion“ wird in den USA seit Mitte der 1970er Jahre ausgestrahlt, eine Liveshow, die ihrerseits ironisch mit den Figuren traditioneller amerikanischer Radiosendungen spielt – einem Möchtegern-Privatdetektiv, singenden Cowboys und dergleichen mehr. Begründer und Protagonist der Sendung ist Garrison Keillor, der aus den Figuren dieser Sendung das Drehbuch zu Altmans Film gemacht hat und sich als „GK“ auch gleich selbst spielt: als Conférencier und Hauptfigur der Radiosendung.
Robert Altman’s Last Radio Show Es wird die letzte Vorstellung sein, denn das Theater, in dem die Show seit Jahren vor Publikum auf Sendung geht, soll abgerissen werden, und die Kamera folgt den unterschiedlichen Charakteren bei ihren letzten Auftritten: dem singenden Schwesterpaar Yolanda und Rhonda Johnson (Meryl Streep und Lily Tomlin), den Cowboys Dusty und Lefty (Woody Harrelson, John C. Reilly) und zahlreichen anderen.
Altman hat also wieder einen Ensemblefilm gedreht: Neben den genannten Schauspielern haben noch Kevin Kline, Virginia Madsen, Tommy Lee Jones und Lindsay Lohan größere Auftritte – und das sind nur die bekannten Namen. Zugleich ist es, auch das ist für Altmans Oeuvre nicht ungewöhnlich, ein Film, dessen mäandernde Struktur sich den klassischen Erzählprinzipien, dem Zwang zu Spannung und Dramatik widersetzt, oder genauer: sie einfach links liegen lässt.
Der eingangs erwähnte Todesfall eines Veteranen der Sendung (L.Q. Jones) wird von Altman keineswegs emotional aufgeladen und dann für seine Zwecke gemolken: Er wird wie nebenbei erzählt, ein weiteres Element dieser Geschichte neben all den Gesprächsfetzen und Gesangsnummern, die auf und hinter der Bühne zu sehen und zu hören sind.
Robert Altman’s Last Radio Show Altman wechselt immer wieder zwischen seinen Figuren, er gibt keiner Person so viel Raum, dass sie die Handlung dominieren könnte und doch allen genug, dass sie sich entfalten. Dass ihm dies gelingt, liegt natürlich insbesondere an den herausragenden Schauspielern, die er (auch hier: wieder) für seinen Film versammeln konnte. Streep und Tomlin etwa erwecken in ihren Gesprächen die Johnson-Schwestern ebenso zu Leben wie ihre ganze Vor- und Familiengeschichte; es wird spürbar, wie Denken und Reden der Schwestern ineinander greift wie die Zähne gut geölter Zahnräder – und wie sich, das sieht man ihrer Mimik immer wieder an, in die Beziehung der Schwestern doch reichlich Rost und Reibeflächen eingeschlichen haben.
Und so gehen wahrscheinlich alle Versuche, Altmans letzten Film an Äußerlichkeiten der Handlung zu messen, ins Leere, oder zumindest ein wenig am Ziel vorbei.
Natürlich ist Robert Altman’s Last Radio Show auch eine Auseinandersetzung und Abrechnung mit einem beschleunigten Kapitalismus – die Sendung wird abgesetzt, weil ein reicher Investor sie für nicht mehr profitabel hält – und ein Plädoyer für ein Kino, dass sich noch fürs Erzählen und für seine Figuren Zeit lässt. So ist nun mal, der Eindruck könnte entstehen, die neue Zeit: Wendet sich nicht Yolandas Tochter Lola (Lohan) von Gesang und Poesie ab und ist am Ende des Films eine schick angezogene, beschäftigte Anwältin, die keine Zeit mehr hat für die Geschichtchen ihrer Mutter und ihrer Tante? Aber Altman war nie so naiv, solch einfacher Nostalgie auf den Leim zu gehen.
Robert Altman’s Last Radio Show Auch hier nicht: Ganz zu Beginn des Films weckt die Figur des „Guy Noir“ (Kline) als Erzähler ein wenig den Eindruck, man befinde sich in einem Noir-Setting der 1940er Jahre, in dem er als abgehalfterter Privatdetektiv sich eben als Sicherheitschef des Theaters habe verdingen müssen, um noch über die Runden kommen zu können. Aber natürlich ist das Unsinn, Guy Noir für den comic relief und Slapstick im Film zuständig und die ironische Distanz zu jeder Form von Nostalgie an gute alte Zeiten damit fest in den Film eingebaut.
Es gibt ja keinen Grund für Nostalgie: Der „echte“ „Prairie Home Companion“ läuft in den USA erfolgreich wie eh’ und je im Radio. Das nur vage angedeutete Schreckgespenst des Kapitalismus bleibt Staffage, ein mächtiger MacGuffin, der den Figuren nie wirklich gefährlich werden kann. Auch scheint das Theater, vor dessen Rängen sich die „Last Radio Show“ abspielt, gut gefüllt zu sein – allerdings bekommt man das Publikum nie zu Gesicht.
Nein, Altman feiert noch einmal, ganz nur um das Erzählen und Beobachten kreisend, die Schönheit des Films: da geht es nicht um Geld oder um Publikum, sondern um die Freude der daran Beteiligten. Es ist keine ganz irdische Freude: Als Lola am Ende gegangen ist, kehrt der Engel des Todes noch einmal zurück, und es wirkt familiär. Sie kommt, so scheint es, nicht, um ein weiteres Opfer abzuholen, sondern vielleicht um sich hinzuzusetzen, auf einen Plausch und auf noch mehr Geschichten.
Robert Altman’s Last Radio Show
(A Prairie Home Companion)
USA 2006
105 Minuten
Regie: Robert Altman
Drehbuch: Garrison Keillor
Produzent(en): Robert Altman, Wren Arthur, Joshua Astrachan, David Levy, Tony Judge, Lowell Dubrinsky
Mit
Garrison Keillor
Kevin Kline
Virginia Madsen
Maya Rudolph
Lindsay Lohan
Woody Harrelson
John C. Reilly
Tommy Lee Jones
Kinostart: 12.4.2007
Fotos: © Kool Filmdistribution
Robert Altmann
Robert Bernard Altman (* 20. Februar 1925 in Kansas City (Missouri); † 20. November 2006 in Los Angeles) war ein US-amerikanischer Regisseur, Autorenfilmer und Filmproduzent. Seine Filme sind ab 1970 dem Kino des New Hollywood zuzurechnen. Während seiner 55-jährigen Laufbahn drehte Altman insgesamt 86 Filme, produzierte 39 Verfilmungen und schrieb 37 Drehbücher.
Leben und Werk
Robert Altman war der Sohn von Helen und Bernard Clement Altman, einem wohlhabenden Versicherungsangestellten der Kansas City Life Insurance Company. Sein Großvater war der deutschstämmige Bauunternehmer Frank G. Altman, der das Altman Building in Kansas erbauen ließ, ein fünfstöckiges Einkaufszentrum im Stadtzentrum von Kansas City (es wurde 1974 abgerissen). Altman jr. besuchte katholische Schulen, die Rockhurst High School und danach die Wentworth Military Academy in Lexington, Missouri. 1945 meldete er sich bei der US Air Force als Freiwilliger, mit der Aussicht ein B-24-Pilot zu werden.
Nach Kriegsende kam er zurück in seine Heimatstadt Kansas City und begann 1947 für eine Filmproduktionsfirma von Industriefilmen zu arbeiten.
Seine Laufbahn als Filmregisseur begann er Anfang der 1950er Jahre mit Sportdokumentationen und an die hundert Regiearbeiten für das Fernsehen, darunter auch Episoden der berühmten Fernsehserien Bonanza und Alfred Hitchcocks Alfred Hitchcock Presents. Seine filmischen Anfänge lagen damit noch in der Ära des ausklingenden klassischen Hollywood-Kinos. In dem Science-Fiction-Film Countdown (1968) führte er die Technik der überlappenden Dialoge in sein Schaffen ein, ein Stilmittel, das bereits von Filmgrößen wie Frank Capra, Howard Hawks oder Lewis Milestone eingesetzt worden war, doch hier seine Entlassung durch den Studio-Chef Jack Warner zur Folge hatte. Diese Verbannung erst hat Altmans Entschlossenheit zur Produktion von eigenständigen und stets ungewöhnlichen Filmen geweckt. Seitdem betrachteten sich das Studiosystem von Hollywood und er aus einem argwöhnischem Abstand heraus.
Sein künstlerischer Durchbruch kam mit der Militärsatire M*A*S*H von 1970, sowie dem US-Gesellschaftsportrait Nashville von 1975. Beide Filme brachten ihm Oscar-Nominierungen ein und förderten auch das New Hollywood, die Absetzbewegung einiger weiterer US-Regisseure von der rein auf sicheren kommerziellen Erfolg ausgerichteten Politik Hollywoods. Die Filme, die Altman in den 1970er-Jahren herausbrachte, waren an den Kinokassen wenig erfolgreich, verschafften ihm aber in der Filmgeschichte einen besonderen Rang unter den Regisseuren des New Hollywood. Gerade seine Arbeitsweise spielt hier eine große Rolle, seine eigene Note als auteur seiner Filme sowie seine auf das Filmen an sich konzentrierte Arbeitsmethode, sichtbar auch in seinen kurzen Vorbereitungsphasen – mindestens ein Film pro Jahr war die Regel. Ein weiteres stilistisches Merkmal seiner Filme ist die stete Verknüpfung verschiedener Handlungsstränge und Personenkonstellationen, die häufig erst auf den zweiten Blick einen Zusammenhang ergeben. Auch setzte Altman oft einen schwarzen, nicht sofort erkennbaren Humor ein.
In den achtziger Jahren wandte er seine Aufmerksamkeit eher dem Theater zu. Erst mit der Hollywood-Satire The Player von 1992 sowie dem erfolgreichen Episodenfilm Short Cuts (1993) konnte Altman wieder ein größeres Publikum für sich zurück gewinnen. Beide, wie auch Gosford Park von 2001, brachten ihm Oscar-Nominierungen ein. Trotz insgesamt sieben Nominierungen als Regisseur und Produzent blieb ihm ein Academy Award in einer der regulären Kategorien verwehrt. Bei der 78. Oscar-Verleihung am 5. März 2006 wurde Altman schließlich doch noch mit einem Ehrenoscar für sein kreatives Schaffen gewürdigt.
Altman war ein bekennender Cannabis-Raucher und ein Jazz-Liebhaber, dem Jazz setzte er mit Kansas City ein filmisches Denkmal.[1] Eine ärztliche Prognose seines bald eintretenden Todes Mitte der 1990er-Jahre und eine Herztransplantation bewogen ihn zu einer radikalen Änderung seiner Ernährungsgewohnheiten.
Er starb am 20. November 2006 im Alter von 81 Jahren in einem Krankenhaus in Los Angeles an den Folgen einer Krebserkrankung. Er wusste seit 18 Monaten von dieser Krankheit, verschwieg sie aber aus Furcht vor Auftragsverlusten.[2] Altman war insgesamt drei Mal verheiratet. Er hinterlässt seine Frau Kathryn Reed Altman, mit der er seit 1957 verheiratet war, zwei Kinder aus dieser Ehe sowie vier weitere Kinder und 12 Enkelkinder.[3]
Filmografie
* 1957 The James Dean Story (Dokumentation)
* 1968 Countdown – Start zum Mond (Countdown)
* 1969 Ein kalter Tag im Park (That Cold Day in the Park)
* 1970 M*A*S*H (MASH)
* 1970 Auch Vögel können töten (Brewster McCloud)
* 1971 McCabe & Mrs. Miller
* 1972 Spiegelbilder (Images)
* 1973 Der Tod kennt keine Wiederkehr (The Long Goodbye)
* 1974 Diebe wie wir (Thieves Like Us)
* 1974 California Split
* 1975 Nashville
* 1976 Buffalo Bill und die Indianer (Buffalo Bill and the Indians, or Sitting Bull’s History Lesson)
* 1976 Willkommen in Los Angeles (Welcome to L. A.)
* 1977 Die Katze kennt den Mörder (The Late Show)
* 1977 Drei Frauen (3 Women)
* 1978 Du wirst noch an mich denken (Remember My Name)
* 1978 Eine Hochzeit (A Wedding)
* 1979 Quintett (Quintet)
* 1979 A Perfect Couple
* 1980 Popeye
* 1982 Der Gesundheits-Kongreß (Health)
* 1983 Windhunde (Streamers)
* 1984 Secret Honor – Die geheime Ehre des Präsidenten (Secret Honor)
* 1985 Fool for Love – Verrückt vor Liebe (Fool For Love)
* 1987 Therapie zwecklos (Beyond Therapy)
* 1987 Cool und abgefahren (O. C. and Stiggs)
* 1990 Vincent & Theo
* 1992 The Player
* 1993 Short Cuts
* 1994 Prêt-à-Porter
* 1996 Jazz ’34 (Dokumentation)
* 1996 Kansas City
* 1998 Liebesflüstern (Afterglow) (Produzent)
* 1998 Gingerbread Man (The Gingerbread Man)
* 1999 Cookie’s Fortune – Aufruhr in Holly Springs (Cookie’s Fortune)
* 2000 Trixie
* 2000 Dr. T and the Women
* 2001 Gosford Park
* 2003 The Company – Das Ensemble (The Company)
* 2006 Robert Altman's Last Radio Show (A Prairie Home Companion)
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