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Sterben für Anfänger

Kritik von Michael Kienzl / critic.de

Donnerstag - 02. August 2007 - 10:45

In der neuen Komödie von Frank Oz wird eine Begräbnisfeier in den eigenen vier Wänden für die betreffende Familie und ihre Verwandtschaft schon bald Schauplatz zahlreicher Katastrophen. OT: Death at a Funeral; USA 2006. Mit Jane Asher, Ewen Bremner, Peter Dinklage u.a.


Eines der Kennzeichen der klassischen Komödie ist es, den Zuschauer mit übertrieben dargestellten Alltagssituationen zum Lachen zu bringen. Das kann im einfachsten Fall eine selbstreferentielle Handlung sein wie ein Mensch, der auf einer Bananenschale ausrutscht. Hinter scheinbar banalen Vorgängen können sich aber auch Angriffe auf die herrschende Macht sowie das Brechen bestimmter gesellschaftlicher Tabus verbergen. Der Tod ist eines dieser Tabus und auch wenn er eigentlich nichts Lustiges an sich hat, verleiht eine Aura des Verbotenen dem Lachen darüber einen besonderen Reiz. Wie dringend die Menschen die Komödie brauchen, zeigt die befreiende Wirkung dieses Lachens, die dem Tod den Schrecken nimmt und für kurze Zeit vergessen lässt, welche schmerzhaften Erfahrungen er mit sich bringen kann.

Bei einer Komödie, die auf einer Begräbnisfeier in den eigenen vier Wänden angesiedelt ist, muss man unweigerlich an den ein wenig zum Klischee gewordenen schwarzen Humor der Engländer denken. So überrascht es wenig, dass sich Schauspieler und Regisseur Frank Oz nach mehreren Arbeiten in Hollywood, wie zuletzt Die Frauen von Stepford (Stepford Wives, 2004), mit diesem Stoff zurück in seine englische Heimat begeben hat. Mit Sterben für Anfänger (Death at a Funeral) ist Oz ein geradezu prototypisches Beispiel für schwarzen Humor gelungen, der weder vor Leichenschändung noch vor dem Einsatz menschlicher Exkremente zurückschreckt.

Sterben für Anfänger Ganz ohne Nebenerzählstränge konzentriert sich der Film ausschließlich auf die Totenfeier eines Familienoberhaupts und funktioniert durch seine Einheit von Zeit und Raum wie ein Stück Boulevardtheater. Das hohe Konfliktpotential einer derartigen Feier, bei der zahlreiche neurotische Verwandte und Freunde zusammen kommen, schöpft der Film dann auch völlig aus. Ob nun der ungeliebte Schwiegersohn in spe aus Versehen hochkonzentriertes LSD zu sich nimmt oder sich ein mysteriöser Gast als erpresserisch ambitionierter Liebhaber des Vaters entpuppt, es gehört zum Konzept des Films keine Gelegenheit auszulassen, seine Figuren von einer peinlichen Situation in die nächste rauschen zu lassen. So eine geballte Form an Katastrophen führt mitunter dazu, dass einige Szenen etwas zu platt und vorhersehbar geraten.

Doch schließlich geht es hier auch in erster Linie um gekonnt in Szene gesetzte Situationskomik, bei der eine rudimentäre Handlung lediglich als Aufhänger dient, ansonsten aber nur eine untergeordnete Rolle spielt. Wer also kein Problem mit einem Film hat, der sich statt doppelbödigem Humor und einem Lachen, das im Hals stecken bleibt, ganz der kurzweiligen Unterhaltung widmet, wird bei Sterben für Anfänger auch auf seine Kosten kommen.





Zuerst erschienen auf critic.de



Fotos: © Concorde

Sterben für Anfänger (Death at a Funeral);
USA 2006;
90 Minuten;

Regie: Frank Oz;
Drehbuch: Dean Craig;
Produzent(en): Share Stallings, Laurence Malkin, Diana Phillips;

Darsteller:
Mit Jane Asher,
Ewen Bremner,
Peter Dinklage,
Daisy Donovan,
Peter Egan,
Rupert Graves,
Andy Nyman,
Alan Tudyk,
Peter Vaughan

Kinostart: 19.7.2007


Link: critic.de

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